wpeA7.jpg (3072 Byte)

IG Hochwasserschutz in Stuhr e. V.

Interessengemeinschaft Hochwasserschutz in Stuhr e. V.

Nach oben zurück

Besondere Hochwasser in der Ochtumniederung

im 19. und 20. Jahrhundert in Raum Stuhr

(Martina Cziommer)

 

20. Jahrhundert

19. Jahrhundert

 

Martina Cziommer

Die Gemeinde Stuhr ist auch in den vergangenen Jahrhunderten von Überschwemmungnen heimgesucht worden. Diese Zusammenstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, jedoch macht sie deutlich, dass die Gemeinde Stuhr mit dem Wasser umgehen muß. Diese lassen sich auf drei Ursachen zurückführen:

  1. Rückstau der Weser auf das Gebiet von Stuhr
  2. Rückstau der Ochtum auf das Gebiet von Stuhr
  3. Stau der Zuläufe aus dem südlichen Gebieten über den Klosterbach

In der Ausstellung wird dargestellt, wie der Lauf des Klosterbach im Laufe der Jahrhunderte verlagert wurde und welche Gebiete danach durch Weser, Ochtum und Klosterbach überschmemmt wurden.

Die linke Weserlinie ist inzwischen durch den Ausbau der Weser- und Ochtumdeiche sowie der Sperrwerke (Ochtum und Hunte) geschlossen worden. Sturmfluten und Oberwasser sind daher keine Gefahr mehr für Stuhr.

Die Vorfluter der Ochtum wurden dabei jedoch nur bereichsweise ausgebaut. Um die Hochwassersicherheit für die Gemeinde Stuhr auch gegen Wasserzufluß aus dem Süden sicherzustellen, ist es dringend erforderlich, ein Gesamtkonzept zu erstellen.
Die sich aus dem Gesamtkonzept Maßnahmen sind schnellstmöglich umzusetzen.
Dies sind u. a.s

  • Bau eines Rückhaltebekens,
  • Ausbau der Vorfluter &Gräben,
  • Erhöhung und Pflege der Verwallungen/ Deiche der Vorfluter & Gräben,
  • direkter Anschluß der Vorfluter an Weser und Ochtum.

Stuhr ist kein natürliches Überschwemmungsgebiet.

 

20. Jahrhundert

 

 

30. Oktober 1998
Hochwasser nach anhaltenden Regenfällen.
Deichüberspülung am Klosterbach, der Varreler Bäke und Delme. Starke Überschwemmungen in Bassum, Delmenhorst, Blocken, Moordeich, Varrel und Stuhr. Wassereinbrüche in vielen Wohnhäusern.

nach oben

14. März 1981
Hochwasser-Katastrophe in der Pauliner Marsch. Weserdurchbruch beim Hastedter Bulten.
Deichbruch am Barkendamm, Überschwemmung zwischen Heiligenrode und Varrel. In Alt-Stuhr, Stuhrbaum und Moordeich Oberflächenwasser.
nach oben
6. März 1979
Hochwasser in Brinkum, Stuhr und Delmenhorst. Mehrere Straßen überflutet. Einige Häuser an der Kladdinger- und Moordeicher Landstraße sowie am Tempelweg waren in Gefahr.
nach oben
26. Februar 1970
Hochwasser, Überschwemmungen rechts und links der Weser zwischen Hoya und Bremen, sowie Delmenhorst und Hasbergen. Varreler Bäke überschwemmte Tölkenbrück. Höchstes Hochwasser in den letzten 30 Jahren vor 1998.
nach oben
16. Februar 1962
Sturmflut-Katastrophe an der deutschen Nordseeküste. In Bremen ertranken sieben Menschen.
Hochwasser in Hasbergen, Strom, Woltmershausen, Huchting und Grolland, Kladdingen und Alt-Stuhr.
nach oben
17. Juli 1956
Hochwasser-Katastrophe in der Weser- und Ochtumniederung nach anhaltenden Regenfällen. Überschwemmung z. T. bis an die Winterdeiche. Große landwirtschaftliche Verluste. Varreler Bäke war zum Teil 60 m breit
nach oben
5. März 1956
Hochwasser in Varrel und Huchting.
Deichbruch an der Varreler Bäke und Heidkruger Bäke in Langewischen. Der Klosterbach trat an mehreren Stellen über die Ufer.
nach oben
17. August 1954
Hochwasser nach anhaltenden Regenfällen in Barken, Tölkenbrück, Varrel und Moordeich.
Deichbruch an der Varreler Bäke in Tölkenbrüc
k.
nach oben

1948
Hochwasser, genauere Daten dazu sind noch nicht vorhanden.
nach oben

Winter 1946/1947
(zwei Hochwasser)
Durch Eisgang wurden alle hölzernen Behelfsbrücken in Bremen zerstört. Die Wiehenberger Überfälle schöpften das Weserhochwasser in die Ochtumniederung, Überflutung von ca. 1 800 ha Land.

nach oben

11. Februar 1946
Hochwasser in Bremen. Die Menschen in den Bremer Parzellen verloren zum Teil ihr letztes Hab und Gut. Weite Gebiete links der Weser verwandelten sich in Seen, die von reißenden Strömungen durchzogen wurden. In Blocken trat der Klosterbach über die Ufer und überflutete Teile von Blocken, Moordeich und Stuhr.
Von Kladdingen bis zur Ochtummündung wurde das Land zusätzlich durch aufgestautes Oberwasser von der Weser überschwemmt
nach oben
April 1945
Hochwassergürtel zur Verteidigung Bremens.
Die Ochtumniederung wurde in den letzen Kriegstagen von Arsten bis Strom laut Befehl planmäßig überschwemmt. Alle Brücken wurden unpassierbar gemacht.
nach oben
1942
Hochwasser, genauere Daten dazu sind noch nicht vorhanden.
nach oben
27. Februar 1940
Hochwasser durch Schneeschmelze, starke Regenfälle und Eisstau der Hache in Kirchweyhe, Lahausen und Sudweyhe und des Klosterbaches in Stuhr.
Deichbruch in Tölkenbrück. Die Wassermassen stauten sich vor der Varreler Mühle und überschwemmten Teile von Varrel, Moordeich und Stuhr.
nach oben
5. Januar 1932
Hochwasser in Stuhr, Varrel und Hasbergen. Die Moordeicher Landstraße wurde vom Hochwasser beschädigt. In der Gemeinde Stuhr mußten einige Deiche gerichtet werden.
nach oben
1930
Zwei Hochwasser im Januar und November.
Genauere Daten dazu sind noch nicht vorhanden.
nach oben
Winter 1928/29
Hochwasser: "In Tölkenbrück sind nachts plötzlich in einigen Häusern die Holschen unterm Bett weggeschwommen." (Del. Kreisblatt)
Ein Eisstau in der Varreler Bäke und Ochtum wurde von der Bremer Sicherheitspolizei unter Oberst Caspari gesprengt.
nach oben
13. Januar 1916
Sturmflut: "Eine gewaltige Wasserflut hat sich über die Gemeinde Hasbergen und Stuhr ergossen. Sogar über die Chaussee flutet das Wasser. Bis jetzt ist die Flut noch nicht in die Häuser und Viehställe eingedrungen, doch fielen bereits zahlreiche Hühner dem Wasser zum Opfer. (Bremer Nachrichten vom 16. 1. 1916)
nach oben

 

 

nach oben

13. März 1906
Höchste Sturmflut vor 1962, es wurden 33 Quadratkilometer Niederungsfläche überflutet. Teile der Gemeinden Hasbergen, Strom, Huchting, Grolland, Varrel und Stuhr betroffen.
nach oben

19. Jahrhundert

 

 

Winter 1880/1881
drei Hochwasserwellen:

13. März 1881
Mehrere Deichbrüche links der Weser von Hoya abwärts.
Letzte vollständige Überschwemmung der Ochtumniederung von Hoya bis zur Ochtummündung, ca. 36 000 ha Land unter Wasser.
Stuhr, Varrel, Moordeich und Huchting waren wieder überflutet. In Huchting stand das Wasser 90 cm über der Straße. Wassernot im Bremer Ratskeller.
nach oben

 

11. Februar 1881
"Das Hochwasser zeigt sich wieder in der Gemeinde Stuhr, Hasbergen, Huchting und Delmenhorst."(Del. Kreisblatt)
Der Eisenbahndamm in Huchting wurde 40 cm hoch überflutet.
nach oben
2. Dezember 1880
Die ganze Ochtumniederung wurde von Hoya und Dreye her überschwemmt. Stuhr, Moordeich, Varrel, Huchting, und Hasbergen, sowie einige Stadtteile von Bremen standen unter Wasser.
nach oben
1. Januar 1855
Sturmflut, Stuhr wurde schrecklich heimgesucht.
Die Flutwelle und aufgestautes Oberwasser der Weser drangen stark in die Ochtum ein. Wasserstand z. T. nur 22 cm weniger als 1841.
nach oben
1852
"Das ganze Land und die Chaussee steht unter Wasser, alle Waren werden mit dem Schiff zum Warturm gebracht."
nach oben
Regierungsbekanntmachung vom 15.4.1848
"Nachdem zur Verhütung von Unglücksfällen durch Überschwemmungen bereits im Jahre 1830 für Teile der Kirchspiele Hasbergen und Stuhr Vorschriften erlassen sind, nunmehr Gebäude für Menschen und Vieh in den Kirchspielen Hasbergen, Stuhr und Schönemoor wenigstens 2 Fuß über dem höchsten Wasserstand vom Jahre 1830 zu errichten."
nach oben
Januar 1846
Hochwasser in Stuhr und Hasbergen, Deichbruch u. a. bei Ahausen und am Pfarrdeich Stuhr.
nach oben

21. Januar 1841
Hochwasser, Deichbruch bei Dreye, Eisstau bei Vegesack verhindert das Abfließen der Weser und Ochtum.

"Die Überschwemmung stieg noch höher als 1830, selbst die Pfarrwohnung stand einen halben Fuß (15 cm) unter Wasser.
In Kladdingen stieg das Wasser bis an die Dächer der Häuser." (Pastor Hollmann 1841)
In Delmenhorst bildete sich ein Hilfsverein für die notleidende Bevölkerung in Stuhr und Hasbergen.
nach oben

März 1830
Hochwasser u. Deichbrüche bei Horstedt, Mahndorf, Habenhausen und am Pfarrdeich Stuhr. Bei Hastedt ertranken 10 Menschen.
Hohe Überschwemmungen der linken Weser- und Ochtumniederung u. a. in Stuhr, Huchting und Grolland.
"Da das Wasser in alle Häuser, die in der Nähe der Pfarrwohnung liegen, drang, und nur diese frei blieb, so flüchteten 60 Menschen dahin, die einige Wochen dort gewohnt haben." (Pastor Hollmann 1830)
nach oben
April 1830
(Zweites Hochwasser)
Pfarrdeich Stuhr war noch beschädigt. Bis Mai stand noch ein großer Teil des Kirchspiels Stuhrs unter Wasser.
nach oben
August 1830
(Drittes Hochwasser)
Pfarrdeich Stuhr ist fast nicht mehr zu erkennen.
"Wiederherstellung kostete 87 Rth 58 gr."
nach oben

 

März 1827
Deichbruch ober- und unterhalb von Habenhausen;
Deichbruch am Stuhrer Pastorreideich
nach oben
3. Februar 1825
Schwere Sturmflut an der deutschen Nordseeküste. Gebiete der linken Weser- und Ochtumniederung von Altenesch bis Dreye wurden überschwemmt.
"Ein Deichbruch bei Dreye und im Kirchspiel Stuhr hat Kladdingen, Stuhr und einen Teil von Moordeich überschwemmt."
nach oben

 

5. April 1804
"Die Weser überströmte die Gegend um Stuhr, ein Unglück, das sich so spät nach Ostern, in 30 Jahren nicht ereignet hat. Die Wintersaat, die schon anfing zu grünen, verdirbt unter dem Wasser."
( Pastor Flor 1804 )
nach oben

nach oben

 

 

Frau Martina Cziommer

Zum Beispiel: Geschichtswerkstätten
Wilfried Meyer, 2001


Geschichtswerkstätten, ein neuer Begriff auf dem Gebiet der "Heimatforschung alter Art". In vielen Orten unseres Landkreises fanden sich in den letzten Jahren Frauen und Männer, die in diesen Gruppen erstmalig intensiveren Kontakt mit der Regionalgeschichte hatten. Die von der Kreisvolkshochschule Diepholz initiierten Aktionen fanden allgemein guten Zuspruch.
Ich möchte hier an einem praktischen Beispiel das Ergebnis einer kleinen regionalen Forschung vorstellen.

Die 39-jährige Martina Cziommer aus Stuhr kam durch einen ungewöhnlichen Anlass zum Mitmachen in der örtlichen Geschichtswerkstatt.
Im Oktober 1998 war sie mit ihrer Familie von der Hochwasserkatastrophe im Delmenhorster/Stuhrer Raum direkt betroffen. Die Wassermassen überfluteten auch ihr Grundstück und Haus in Alt-Stuhr.
Zusammen mit anderen Betroffenen gründeten Sie die "Interessengemeinschaft Hochwasserschutz Stuhr e.V.". Bei der Suche nach den Ursachen für das Schadensereignis war man nur auf Vermutungen, Presseberichte oder vage Angaben von öffentlichen Stellen angewiesen.
In dieser Zeit bot Dr. Martin Möhring/KVHS Diepholz die Stuhrer Geschichtswerkstatt an. Ziel war es, ein historisches Thema auszuarbeiten und das Ergebnis als Ausstellung zu präsentieren.
Nun war die aus Baden-Württemberg stammende und erst 1988 nach Stuhr gezogene examinierte Krankenschwester Martina Czommer schon immer "an der Geschichte sehr interessiert", wie sie von sich sagt. Doch intensive Quellenforschung kannte sie nur vom Hörensagen. Sie wählte ihr Ausstellungsthema: "Besondere Hochwasser in der Ochtumniederung im Raum Stuhr", weil es für sie überschaubar erschien und sie im Moment auch sehr bewegte.
Zwei alte Fotos von 1947 waren der Grundstock ihrer Bildersammlung, wobei ihr aber schnell klar wurde, dass weitere Recherche bei älteren Einwohnern erforderlich war. Und dann "sprang der Funke" über. Die Informationen häuften sich, aus verschiedenen Epochen, aber alle betrafen Hochwasser, kleine und große - und alle fanden in ihrer neuen Heimat statt.
Bis sie im Herbst 2000 ihre Ausstellung im Lohmannschen Haus in Brinkum präsentieren konnte, waren viele Besuche in Zeitungs- und Kommunalarchiven, unzählige Telefonate und Besuche bei Zeitzeugen, Ämtern und Verbänden erforderlich. Und doch konnte sie die Thematik nur oberflächlich anreißen, die Daten tabellarisch erfassen. Unterstützt durch viele historische Bilder und Karten wurde es eine informative Ausstellung, die unerwartet viele Besucher anlockte.
Ihr Ziel hat sie erreicht, zu einem lokalhistorischen Thema eine Ausstellung aufzubauen. Doch sie wird weitermachen, möchte tiefer einsteigen in die Forschung, auch noch weiter zurückliegende Hochwasser im Stuhrer Raum erfassen. Toll, hier hat die Geschichtswerkstatt eine junge "Neubürgerin" für ein neues, interessantes Arbeitsfeld begeistern können. Es ist deshalb so wichtig, weil 90 % unserer regionalen Forschung von Autodidakten abgedeckt werden muß. Hauptamtliche Funktionen - siehe Kreisarchivar - sind kaum zu schaffen...

       
 

für email hier bitte anklicken

Weitere Informationen werden noch gesucht und sollen in diese Zusammenstellung eingearbeitet werden. Infos bitte an

IG Hochwasserschutz in Stuhr e. V.
z. Hd. Frau Martina Cziommer
Ruwerstraße 16, 28816 Stuhr

   
nach oben

 

 

Bei Fragen und Unklarheiten wenden Sie sich bitte an: [IG Hochwasserschutz in Stuhr].
Stand: 03.07.2005

Disclaimer